Auf mehr Offen hoffen
Die Geschichte der Kirche am Stauffacher war immer wieder von offenen und geschlossenen Toren geprägt. Seit 30 Jahren herrscht wieder eine Zeit der Offenheit – diese wird im diesjährigen Jubiläum mit der Hoffnung gefeiert, dass sich auch andere Teile der Stadt vom Geist der Offenheit anstecken lassen.
Für eine lange Zeit war die Offene Kirche am Stauffacher eine geschlossene Kirche. Es wurde Sonntag für Sonntag Gottesdienst gefeiert – dazu wurde das schmiedeeiserne Tor aufgesperrt, um es nach der stündigen Feier wieder für eine Woche zu schliessen. In dieser Zeit gab es in der Kirche zugemauerte Fenster, um sie stand ein hoher Zaun, und auch geistig war die Kirche am Stauffacher eine eingezäunte Sache. Schauen wir noch weiter in der Zeit zurück, sehen wir, dass das nicht immer so war: Lange war die Kirche – oder besser das Bethaus – offen für die Ärmsten, für die Pilger und die Kranken. So war es in der Zeit des Mittelalters und in der Zeit der Industrialisierung, als Clara Ragaz und ihr Mann, die Pfarrer Tischhauser oder Pflüger im Quartier mit weiten Herzen wirkten.
Um an diese Tradition anzuknüpfen, liess Anselm Burr vor 30 Jahren den Zaun entfernen und öffnete dem Geist der Offenheit Tür und Tor. Für neue Gottesdienstformen – mit oder ohne Tiere, neue spirituelle Formen – mit oder ohne Tanz, neue Formen von Kunst in der Kirche – mit oder ohne Anecken. Ein wenig später kam dann Bewegung in die starre Struktur, indem Theo und Annelis Bächtold der Kirche das Pilgern beibrachten. Dies ist nun schon 30 Jahre her – und dies ist für uns, die wir jetzt an diesem Ort mitwirken, Grund zu feiern, Rückschau zu halten und in die Zukunft zu träumen. Die Rückschau ist dabei wohl das einfachste – sich an alten, gelungenen Erlebnissen und Projekten zu freuen fällt leicht.
Das Feiern scheint auf den ersten Blick auch unproblematisch – so dachten wir jedenfalls vor zwei Jahren. Doch mit Corona und den Regeln des BAG wurde aus dem grossen Auftakt des Jahres ein leises Nachhintenschieben, und Anlässe wie der Jakobs-Film mit Podium, Pilgerball oder regelmässige Lunches mit spannenden Menschen warten unsicher auf ihre Durchführung. Dafür versuchen wir, umso kräftiger über die Zukunft der Offenen Kirche nachzudenken – wir sprechen mit kirchennahen und kirchenfernen Menschen, verschicken Fragebögen, organisieren «Labors» zu verschiedenen Themen, komponieren neue Lieder und begeben uns auf eine Vision Quest. Wir erhoffen uns davon neue Begegnungen, ein kleines Buch über die Kirche am Stauffacher und einen frischen Geist der Offenheit – der im besten Fall auch an den Zäunen der Stadt und Politik rüttelt. Die Feierlichkeiten rund um das Jubiläum starten – so Gott will – im Juni.
Pfarrer Patrick Schwarzenbach















